Instant Articles sind in aller Munde! Der neue Facebook Trend wurde vor einigen Wochen angekündigt, kommt aber nur sehr schleppend in die Gänge. Woran das liegt und ob Facebook mit der Zusatzfunktion noch die Kurve kriegt, lesen Sie in diesem Beitrag.

Was sind Instant Articles?

Die Instant Articles sind ein gemeinsames Projekt von Facebook und neun erlesenen internationalen Zeitungen. Medien wie „The New York Times“, „The Guardian“, „National Geographic“, „The Atlantic“, „Bild“, „Spiegel Online“, „BBC“, „BuzzFeed“ und „NBC News“, versprechen sich eine Win-Win-Situation mit dem Anführer aller sozialer Netzwerke.

Dank der Medienkooperation dürfen die Zeitungen ihre Artikel erstmals in voller Länge auf Facebook hochladen. Die Zusatzfunktion wurde um interaktive Karten, hochauflösende Bilder und automatisch startende Videos ergänzt. Doch was haben die Verlagspartner von dem Experiment?

Win-win-Situation oder einseitige Machtverschiebung?

Für die international erfolgreichen Zeitungen liegt die Motivation auf der Hand, denn durch Instant Articles erreichen sie neue und mobile Zielgruppen. Facebooks Publishing-Variante ist in der mobilen Nutzung deutlich überlegen, denn die Ladegeschwindigkeit ist trotz automatisch startender Videos grandios. Die umfangreichen Analyse-Tools erlauben im nächsten Schritt die präzise Auswertung der neuen Zielgruppen.

Der große Vorteil für Facebook liegt in der Vermarktung der publizierten Inhalte.
Hier haben die Verlagspartner zwei Möglichkeiten: Sie können die Inhalte selbstständig vermarkten und profitieren zu 100% von den Werbeeinnahmen, oder sie überlassen Facebook das Marketing. Im letztgenannten Fall behält Facebook eine Provision von 30% ein.

Auf den ersten Blick entsteht in der Medienkooperation eine Win-Win- Situation. Gleichzeitig ist aber zu befürchten, dass Facebooks Marktmacht drastisch zunimmt und die Medien die Kontrolle über ihre Vertriebswege verlieren.

Was Instant Articles nicht sind!

Egal ob Sie es als innovativen Ansatz sehen oder nicht, die Instant Articles haben viel Potential verschenkt. Denn seit dem 01. Juli 2015 liegt der Dienst brach. Die Kooperationspartner haben ihre weitere Beteiligung vorerst eingestellt. Und wir verraten warum:

Instant Articles werden bisher nur auf dem iPhone angezeigt, dass schränkt die Reichweite deutlich ein. Fraglich ist auch, ob sich auf Facebook ein relevanter Leserkreis finden lässt, denn bisher haben sich die Verlage noch nicht dazu durchgerungen, ihre Inhalte ausschließlich auf Facebook zu publizieren. Interessierte Leser die zu einer Zielgruppe von „Spiegel Online“ gehören, lesen weiterhin auf der eigenen Webseite, weil sie mehrere Artikel lesen wollen. Eine echte Lesemotivation kann also nur dann entstehen, wenn diese Medien viele Artikel täglich und nur auf Facebook veröffentlichen. Das beschert ihnen aber den eigenen Ruin, denn Verlage leben Online vom Traffic der eigenen Seite.

Wir halten das Konzept der Instant Articles aus diesem Grund für nicht zu Ende gedacht. Es kann eine nette Erweiterung der eigenen Webseite sein und erzielt vielleicht mehr Reichweite, garantiert aber sicher nicht das Überleben des Journalismus.

Probieren Sie Facebooks Instant Articles auf Ihrem iPhone aus und schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Thema. Sie finden Facebook unter: www.facebook.com